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Aktuelle Stunde zur Personalsituation an Kitas

12.03.2020 / Der Landtag hat sich mit dem Fachkräftemangel in Kitas beschäftigt. Grundlage der Aktuellen Stunde war ein Antrag der AfD-Fraktion.

Laut einer Studie des Deutschen Kitaleitungskongresses (DKLK) hätten 78,5 Prozent der Kitas Probleme damit, offene Stellen zu besetzen, schreibt die AfD-Fraktion in ihrem Antrag („Personalmangel an Kitas – neue Studie veranschaulicht dramatische Situation“, 17/8815). In Nordrhein-Westfalen fehlten laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung derzeit mehr als 16.000 Erzieherinnen und Erzieher.

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Iris Dworeck-Danielowski (AfD/v.l.), Jens Kamieth (CDU) und Dr. Dennis Maelzer (SPD)
 

Die Ergebnisse des Kitaleitungskongresses hätten „die schlimmsten Befürchtungen“ bestätigt, kritisierte Iris Dworeck-Danielowski (AfD). Gerade Kinder unter drei Jahren bekämen die Negativfolgen des Fachkräftemangels zu spüren, mit erheblichen Folgen für deren Entwicklung. Teilweise fielen Schlafzeiten aus, weil die Betreuung nicht gewährleistet sei. Da die Qualität in Kitas zu wünschen übrig lasse, fragten sich viele Eltern, ob sie ihre Kinder nicht besser zu Hause betreuen sollten. Wenn sie sich dafür entschieden, sollten Eltern mit U3-Kindern eine „auskömmliche finanzielle Erstattung“ erhalten, da sie das Kita-System entlasteten.

Jens Kamieth (CDU) entgegnete, das reformierte Kinderbildungsgesetz der Landesregierung sei „ein wichtiger Meilenstein“, da es die strukturelle Unterfinanzierung von Kitas beendet habe. Ab dem Kitajahr 2020/21 stünden rund 1,3 Milliarden Euro mehr an Bundes-, Landes- und Kommunalmitteln zur Verfügung. Die Landesregierung habe zudem ein umfangsreiches „Arbeitsprogramm zur Personalgewinnung“ aufgelegt, um den Fachkräftemangel in Kitas „perspektivisch“ zu beheben. „Wir gehen systematisch und strukturiert die Herausforderung in der Kindertagesbetreuung im Sinne bester frühkindlicher Bildung an.“

Auf dem Kitaleitungskongress sei deutlich geworden, wie groß der Frust der Erzieherinnen und Erzieher mit der aktuellen Landespolitik sei, kritisierte Dr. Dennis Maelzer (SPD). Schwarz-Gelb sei ein „mieses Arbeitszeugnis“ ausgestellt worden. Der Fachkräftemangel habe sich im Vorjahr „deutlich verschärft“. Die Zahl der Auszubildenden sei erstmals seit zehn Jahren rückläufig. Der AfD-Fraktion warf Maelzer vor, sie wolle mit ihrem Antrag ein „antiquiertes Gesellschaftsmodell“ wiederbeleben. Es stamme aus einer Zeit, in der die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor allem für Frauen „noch eine ferne Wunschvorstellung“ gewesen sei.

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Marcel Hafke (FDP/v.l.), Josefine Paul (Grüne) und Ministerin Ina Scharrenbach (CDU)
 

Marcel Hafke (FDP) betonte, dass es einen drängenden Fachkräftemangel in den Kitas gebe. Die rot-grüne Vorgängerregierung habe dieses Problem aber nur „weggelächelt“. Dass 16.000 Erzieherinnen und Erzieher fehlten, sei auf das Versagen von SPD und Grünen zurückzuführen. Hafke dankte Familienminister Dr. Joachim Stamp (FDP), dass dieser die Reform des Kinderbildungsgesetzes angestoßen habe. Zum 1. August dieses Jahres werde diese Reform spürbar sein. So werde die Unterfinanzierung der Kitas beendet, wodurch auch mehr Personal eingestellt werden könne. Das Ministerium habe zudem Maßnahmen angestoßen, um die Ausbildungszahlen zu erhöhen.

Josefine Paul (Grüne) entgegnete, die Landesregierung habe drei Jahre Zeit gehabt, um gegen die dramatische Situation in den Kitas vorzugehen. Das System laufe „auf Reserve“, und diese Situation gehe zulasten der Fachkräfte und der Kinder. Es müsse Schluss sein mit dem „Ankündigungswahn“. Nötig seien konkrete Maßnahmen. Paul kritisierte auch, dass die Landesregierung bei der Reform des Kinderbildungsgesetzes zu wenig auf den Rat der Fachleute gehört habe. Hier müsse nachgesteuert werden. Es sei die verfehlte Politik von CDU und FDP, die für die derzeitigen Bedingungen an den Kitas verantwortlich sei. 

Ministerin Ina Scharrenbach (CDU) sagte in Vertretung von Familienminister Dr. Joachim Stamp, dass mit der Reform des Kinderbildungsgesetzes die strukturelle Unterfinanzierung der Kitas beendet werde. Land und Kommunen stellten jährlich 750 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. Ziel sei, „mehr Qualität für alle“. Zugleich würden „vielfältige Ansätze“ verfolgt, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Es werde mehr pädagogisches Personal benötigt. Gemeinsam mit den Trägern der Kindertagesstätten habe sich die Landesregierung auf einen guten Weg begeben und sie werde an diesem Kurs festhalten.

 
Text: tob, wib
Fotos: bs

 

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