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Anhörung zur Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern

17.06.2020 / Im Ausschuss für Schule und Bildung haben sich Sachverständige zu Reformen im Fortbildungssystem für Lehrkräfte geäußert. Der Anhörung lag ein Antrag der Fraktionen von CDU und FDP zugrunde.

Das Ministerium für Schule und Bildung habe kurz nach dem Regierungswechsel eine „Evaluation der Lehrerfortbildung in NRW“ in Auftrag gegeben, heißt es in dem Antrag (17/7763). Ergebnis: Die Strukturen seien „unübersichtlich mit unklaren Zuständigkeiten“, die Effekte der Fortbildungen „unbefriedigend“. Die Fraktionen von CDU und FDP fordern daher die Landesregierung auf, die Fortbildung auf Grundlage der Evaluation zu reformieren und weiterzuentwickeln – besonders mit Blick auf Inklusion, Integration und digitale Medien.

Die Lehrerfortbildung sei in Nordrhein-Westfalen breit aufgestellt, so die Bilanz des Verbands für Bildung und Erziehung NRW. Viele Angebote passten aber nicht zu den Bedürfnissen vor Ort und müssten weiterentwickelt werden. Im Zuge der Corona-Pandemie seien Schwachstellen des Bildungssystems zutage getreten, besonders beim digitalen Lernen. „Die Lehrerfortbildung muss es leisten, Lehrkräfte zu befähigen, digitales Lernen auf der Grundlage von pädagogischen Konzepten in ihr methodisches Handeln zu integrieren.“

„Umfassende Reformierung“ gefordert 

Die Lehrkräftefortbildung befinde sich derzeit in einem „relativ desolaten Zustand“, resümierte der Landesverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in seiner Stellungnahme. Der Antrag der Fraktionen sei daher zu begrüßen, er berücksichtige aber zentrale Ergebnisse der in Auftrag gegebenen Evaluation nur „rudimentär“ und „unspezifisch“. Diese Einschätzung teilte auch Prof. Dr. Dieter Gnahs vom Institut für Berufs- und Weiterbildung der Universität Duisburg-Essen: Die Forderungen der Fraktionen an die Landesregierung wiesen nur „ungenügenden Bezug“ zu den empfohlenen Maßnahmen der Expertengruppe auf. 

Die Schulleitungsvereinigung Nordrhein-Westfalen forderte in ihrer Stellungnahme „eine alle Aspekte umfassende Reformierung der vorhandenen Strukturen, Qualitätsfragen und Verantwortlichkeiten“. Eine Anpassung oder Weiterentwicklung des bestehenden Fortbildungssystems reiche nicht aus. Zudem sei der Begriff „Lehrerfortbildung“ zu eng gefasst. Zutreffender sei es, von einer „Fortbildung im schulischen Bildungswesen“ zu sprechen, da in Schulen multiprofessionelle Teams arbeiteten und Fortbildungen für alle im Schulwesen tätige Personen angeboten werden müssten. Auf Landesebene brauche es eine „wirksame Steuerung“.

„Verschlankte klare neue Strukturen“

Dieser Ansicht ist auch Sven Pachur, Leiter der Luisenrealschule Bielefeld. Das Fazit seiner Stellungnahme: „Wichtig sind verschlankte klare neue Strukturen, damit Ressourcen zielgerichtet eingesetzt werden, statt nebeneinander herzulaufen.“ Es solle eine neue Stelle geben, die Fortbildung „professionalisiert, steuert, koordiniert und systematisch entwickelt“. Laut GEW sollte diese Aufgabe von einem eigenen Referat des Ministeriums für Schule und Bildung wahrgenommen werden, das Fortbildungen „auf der Grundlage definierter Kernaufgaben und Qualitätsstandards“ steuert.

Besonders beim digitalen Lehren und Lernen müsse nachgebessert werden, heißt es in der Stellungnahme der Medienberatung NRW des LVR-Zentrums für Medien und Bildung. Dabei dürfe nicht vergessen werden, Personal mit didaktischer Expertise sowie für den technischen Support einzubeziehen, forderte Marina Weisband, Leiterin des Projekts „aula – Schule gemeinsam gestalten“ des Vereins „Politik-digital“. Lehrerinnen und Lehrer, Schulleitungen sowie Schülerinnen und Schüler sollten an der Entwicklung eines neuen Fortbildungssystems beteiligt werden.

Besonderen Bedarf an Fortbildungen sieht Prof. Dr. Christian Huber vom Institut für Bildungsforschung der Bergischen Universität Wuppertal beim Thema Inklusion. Er empfiehlt u. a. ein „vergleichbares, wissenschaftlich fundiertes und praxisorientiertes Fortbildungsangebot für die Inklusion an allen Fortbildungsstandorten“ sowie ein „zentral entwickeltes Fortbildungscurriculum ‚Inklusion‘ für Nordrhein-Westfalen“. Bislang habe die Landesregierung ihre Ziele mit Blick auf die Inklusion aber nicht klar definiert.

Alle eingegangenen Stellungnahmen finden Sie hier

Text: tob
Bild: bs
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