Landtag Nordrhein-Westfalen
Suchfunktion

Dokumentinhalt

120 Empfehlungen für modernes Arbeiten: Enquetekommission „Digitale Transformation der Arbeitswelt in Nordrhein-Westfalen“ legt Bericht vor

06.10.2020 / Die Enquetekommission I des Landtags NRW „Digitale Transformation der Arbeitswelt in Nordrhein-Westfalen“ legt am Donnerstag, 8. Oktober 2020, dem Landtag nach rund zweijähriger Arbeit ihren Abschlussbericht vor. Er enthält 120 Handlungsempfehlungen, die sich unter anderem an den Bund, das Land, die Sozialpartner, Unternehmen und Hochschulen richten.

Die Enquetekommission hat untersucht, wie Nordrhein-Westfalen in Bezug auf die Wirtschafts- und Beschäftigungsstruktur aufgestellt ist, welche Änderungen durch den digitalen Wandel zu erwarten sind und wie die Anforderungen an die Arbeit und neue Arbeitsformen aussehen. Behandelt wurden auch die Rolle der sozialen Marktwirtschaft im digitalen Wandel, die Vermittlung von digitalen Kompetenzen und die zukünftige Gestaltung der Weiterbildung. Zudem wurde auf die Digitalisierung von Unternehmen und Verwaltung sowie auf den Forschungsbedarf an Hochschulen in Nordrhein-Westfalen eingegangen. 

Bezogen auf die Rahmenbedingungen von Arbeit empfiehlt die Kommission zum Beispiel im Arbeitsschutz, die Normen und Vorschriften so an die digitale Arbeitswelt anzupassen, dass insbesondere für mobiles Arbeiten und im Homeoffice Chancen besser genutzt und Risiken minimiert werden können. Diese Maßnahmen sollen auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern. Das ist auch das Ziel einer Empfehlung zur Förderung von Betriebsvereinbarungen zum mobilen flexiblen Arbeiten. Im Arbeitszeitrecht empfiehlt die Kommission zudem die Schaffung und Nutzung einer zusätzlichen Öffnungsklausel für mehr selbstbestimmte Arbeitszeit sowie eine mögliche Umstellung von der täglichen Höchstarbeitszeit auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit. Um den arbeitszeitpolitischen Neuerungen gerecht zu werden, soll dies zunächst gemeinsam mit den Sozialpartnern im Rahmen von Experimentierräumen geprüft werden.

Zur Unterstützung von Beschäftigten und Unternehmen bei der digitalen Transformation soll der Aufbau und die Stärkung gemeinsamer Foren zur Entwicklung von Transformationsstrategien von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften erfolgen. 

In Bezug auf neue Beschäftigungsformen wie Crowdwork empfiehlt die Kommission zu prüfen, ob die bisherigen arbeits- und sozialrechtlichen Schutzmechanismen hinreichend greifen.

Bei den Themen Inklusion und Integration soll unter anderem die Entwicklung von assistiven Technologien unterstützt werden und Techniken und technische Hilfsmitteln, die in Modellprojekten entwickelt wurden, sollen praktisch eingeführt werden.

Im Bereich der öffentlichen Verwaltung sollen das Land und die Kommunen zum Beispiel zentrale Anlaufstellen, sogenannte „Single Point of Contact“, über alle Verwaltungsebenen hinweg weiterentwickeln, um den Bürgerinnen und Bürger aber auch den Unternehmen den Kontakt mit Behörden zu erleichtern. Ein Transformationsmanagement in der Verwaltung und Initiativen zur Modernisierung, Digitalisierung und zum Abbau von Bürokratie sollen die Wirtschaft, insbesondere Mittelstand und Handwerk, voranbringen. 

Zudem empfiehlt die Kommission, die Stärken der Forschungs- und Hochschullandschaft zu nutzen und die Ausgründungen aus Hochschulen weiter zu fördern. Ziel ist es, bei technologieorientierten Neugründungen noch mehr Impulse zu setzen sowie die Kooperation zwischen Hochschulen und Unternehmen im Sinne eines wechselseitigen Wissenstransfers und die Vernetzung zwischen Start-ups mit bestehenden Unternehmen zu unterstützen.

Das Thema lebensbegleitendes Lernen hat bei der digitalen Transformation eine Schlüsselrolle. Die Kommission hat daher eine Vielzahl an Handlungsempfehlungen zum Erwerb von (digitalen) Kompetenzen und besonders zum Thema Weiterbildung entworfen. Sie empfiehlt, die Ziele und Maßnahmen der Nationalen Weiterbildungsstrategie auf Landesebene voranzutreiben, Qualifizierungsprogramme für Nachwuchskräfte in digitalen Schlüsselbranchen zu etablieren sowie die hochschulischen Informations-, Beratungs- und Unterstützungsangebote für nicht-traditionelle Studierende zu erweitern und zu verbessern: zum Beispiel durch freiwillige Online-Self-Assessments und niedrigschwellige Orientierungsangebote. Darüber hinaus soll allgemein der Austausch von Unternehmen mit externen Weiterbildungsanbietern angeregt werden.

Die Enquetekommission stellt ihre Ergebnisse und Empfehlungen den Bürgerinnen und Bürger bei einer digitalen Abschlussveranstaltung am Freitag, 9. Oktober 2020, vor. Von 15 bis 16 Uhr informieren die Kommissionsteilnehmerinnen und -teilnehmer bei einer Podiumsdiskussion über die Ergebnisse des Berichts. Sie wird live übertragen auf www.landtag.nrw.de. Die Zuschauerinnen und Zuschauer können Fragen einbringen.

Der Kommission gehören 13 Mitglieder aller Fraktionen sowie vier Sachverständige an. Vorsitzender der Kommission ist Dietmar Bell (SPD-Fraktion), Sprecher der Fraktionen sind Marco Schmitz (CDU-Fraktion), René Schneider (SPD-Fraktion), Jörn Freynick (FDP-Fraktion), Matthi Bolte-Richter (Grüne-Fraktion) und Sven Werner Tritschler (AfD-Fraktion). Zur fachlichen Beratung und vertiefenden Betrachtung des Themas wurde Expertenwissen durch mehrere Impulsvorträge, Anhörungen sowie drei Gutachten eingeholt. 

Der Landtag hatte die Einsetzung der Kommission am 26. April 2018 (Drucksache 17/2405) auf Antrag der Fraktion der SPD einstimmig beschlossen. Das Gremium konstituierte sich am 12. Juli 2018 und tagte bis Juli 2020 26 Mal.
 

Termine
<< >>
Oktober   2020
KW Mo Di Mi Do Fr Sa So
40       1 2 3 4
41 5 6 7 8 9 10 11
42 12 13 14 15 16 17 18
aktuelle Kalenderwoche43 19 20 21 22 23 24 25
44 26 27 28 29 30 31
Plenartermine 2020/21 »
Metanavigation
Fenster schliessen