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Anhörung: Sachverständige äußern sich zu Sozialunternehmen

15.01.2021 / Um Sozialunternehmen („Social Entrepreneurs“) ging es in einer Anhörung des Ausschusses für Digitalisierung und Innovation. Hintergrund war ein Antrag der Grünen-Fraktion.

Sozialunternehmen brächten „nicht nur technisch-digitale, sondern auch soziale Innovationen voran“, heißt es im Antrag der Fraktion („Technologische und soziale Innovationen zusammendenken – Social Entrepreneurship nachhaltig fördern und stärken“; 17/11178). Die Landesregierung solle deshalb „eine Strategie zur nachhaltigen Förderung sozialer Innovationen und zur stärkeren Sichtbarkeit von Sozialunternehmen“ entwickeln. Es handle sich um relevante Akteure „bei der Gestaltung einer sozial und ökologisch lebenswerten Zukunft“. Mit ihren Ideen und Ansätzen seien sie auf die „Schaffung eines gesellschaftlichen Mehrwerts ausgerichtet, greifen dabei auf unternehmerische Mittel zurück und tragen damit zur Lösung eines klar benannten gesellschaftlichen Problems bei“. Die bestehenden Gründungs- und Innovationsprogramme des Landes sollten auf diese Unternehmen ausgeweitet werden.

„Gesellschaftliche Herausforderungen“

Der Verein „Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland“ schreibt in seiner Stellungnahme für den Ausschuss von einer „Vielzahl gesellschaftlicher Herausforderungen“. Beispiele seien „Klimawandel, Kinder- und Altersarmut, Digitalisierung, Reformstau im Bildungssystem, Integration geflüchteter Menschen oder demografischer Wandel“. Statt diesen Herausforderungen „nachhaltig an deren Kernursache zu begegnen“, werde den Symptomen oft „mit Werkzeugen aus dem vergangenen Jahrhundert begegnet“. So würden „Potenziale verschenkt und selten grundlegende gesellschaftliche Verbesserungen herbeigeführt“. Im Vordergrund des „Social Entrepreneurship“ stehe das „Wirkungsmodell“, das „Geschäftsmodell“ sei lediglich Mittel zum Zweck. „Viel zu oft werden die Erfolgsaussichten sozialer Gründungen allerdings noch an rein finanziellen Maßstäben gemessen“, kritisiert der Verein. In NRW habe man „bislang weitgehend die Chance verpasst, diesen wichtigen Trend in konkrete Maßnahmen umzusetzen“. Dabei sei die „allgemeine Infrastruktur für innovative Gründungen in unserem Bundesland bereits auf einem sehr guten Weg“. Auch stünde sozialen Gründerteams oft die Teilnahme am Gründerstipendium NRW offen, „was ein sehr guter Schritt ist“. Zudem sei damit begonnen worden, Gründungsberaterinnen und -berater der nordrhein-westfälischen Startercenter zum Thema „Social Entrepreneurship“ zu schulen. Bei den Beratungs- und Finanzierungsangeboten der landeseigenen NRW.Bank habe sich ebenfalls „viel in eine sinnvolle Richtung bewegt“.

„Wichtige Treiber für soziale Innovationen“

Sozialunternehmen seien „wichtige Treiber für soziale Innovationen und Nachhaltigkeit“, so die NRW.Bank in ihrer Stellungnahme. Sie spielten eine „wichtige Rolle bei der Bewältigung sozialer, ökologischer und gesellschaftlicher Herausforderungen in Deutschland und auch in NRW“. Durch die Verbindung unternehmerischer Ansätze mit gesellschaftlichen Anliegen entstünden soziale und ökologische Innovationen. Die NRW.Bank habe ihre Aktivitäten mit Blick auf soziales Unternehmertum in den vergangenen Jahren verstärkt. Man habe ausgewählte Förderprogramme grundsätzlich für sozial orientierte Unternehmen unabhängig von ihrer Rechtsform geöffnet. 

„Bühne für Gründungen“

Das Gründer- und Technologiezentrum Solingen verstehe sich als „Anlaufstelle für alle Gründerinnen und Gründer in NRW“ und behandle bei der Beratung „grundsätzlich alle Startups gleich“, heißt es in der Stellungnahme der Einrichtung. Sozialen Gründungen aus der Region verschaffe man bei Veranstaltungen („Pitch-Events“) eine Bühne, damit sie ihre Ideen vorstellen könnten. Dies habe „zu einer guten Vernetzung in die Unternehmerschaft und zu Investoren geführt“. Die Forderung nach Bereitstellung von Fördermitteln und Programmen für soziale Startups unterstütze man. 

„Erfolgsfaktor Netzwerk“

„Die bestehenden Finanzierungsmöglichkeiten sind bereits für klassisch-gewinnorientierte Startups in NRW im nationalen und internationalen Vergleich schlecht aufgestellt“, heißt es in der Stellungnahme von „icho systems“, einem Hersteller von Medizinprodukten. Die Programme richteten sich von wenigen Ausnahmen abgesehen „vornehmlich an gewinnorientierte Gründungen“. Ein wichtiger Erfolgsfaktor für Unternehmen sei „das richtige Netzwerk und der Kontakt zu Förderern, die zur Weiterentwicklung maßgeblich beitragen“. Dieses Netzwerk sei in NRW weitestgehend vorhanden, jedoch gebe es nur wenige Spezialisten für soziales Unternehmertum. Andere Bundesländer seien „sehr viel weiter“. 

Eine Übersicht über sämtliche Stellungnahmen finden Sie hier.

Text: zab
 
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