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Gedenkveranstaltung zu "75 Jahre Befreiung Stalag 326"

12.10.2020 - Am 9. Oktober 2020 hat der Landtag mit einer Gedenkveranstaltung in Schloß Holte-Stukenbrock an die Befreiung des Kriegsgefangenenlagers "Stalag 326" vor 75 Jahren erinnert. Es sprachen u. a. der Präsident des Landtags, André Kuper, und Ministerpräsident Armin Laschet.

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„Gedenkveranstaltung zur Befreiung des Kriegsgefangenenlagers ,Stalag 326‘ vor 75 Jahren“

Sprecher:
Vor 75 Jahren wurde das Kriegsgefangenenlager „Stalag 326“ im ostwestfälischen Schloß Holte-Stukenbrock von US-Soldaten befreit. Zwischen 1941 und 1945 war es das größte Durchgangslager für sowjetische Kriegsgefangene. Sie lebten unter katastrophalen Bedingungen und mussten Zwangsarbeit leisten. Bis zu 60.000 von ihnen starben. An das Leid der Opfer und die Befreiung des Lagers erinnerte der Landtag mit einer Gedenkveranstaltung, zu der Präsident André Kuper eingeladen hatte. Auch Ministerpräsident Armin Laschet war nach Schloß Holte-Stukenbrock gekommen, um an die Befreiung des Lagers zu erinnern. Landtagspräsident Kuper fragte in seiner Rede u. a.:

André Kuper, Präsident des Landtags Nordrhein-Westfalen:
„Wie wird es in den kommenden Jahren und Jahrzehnten gelingen, Geschichte zu vermitteln? Und wie können wir gerade junge Menschen stark machen gegenüber den Feinden unserer Demokratie. Diese Fragen werden auch hier vor Ort beantwortet werden. Und ich bin mir persönlich sicher, mit der erhofften Weiterentwicklung von der Dokumentationsstätte zu einer Gedenkstätte ,Stalag 326‘ wird ein wichtiger Schritt für die Zukunft der Gedenkarbeit getan. Und auch das hat der heutige Nachmittag gezeigt: Erinnern ist kein Ritual. Es ist kein Mittel, um mit Geschichte abzuschließen. Ganz im Gegenteil: Erinnern verbindet die Geschichte mit unserer Gegenwart und mit der Zukunft unserer Kinder, Enkel und Urenkel. Lassen sie uns diesen Auftrag zum Erinnern in unseren Herzen und in unseren Köpfen weitertragen, wo immer es geht.“

Sprecher:
Ministerpräsident Armin Laschet mahnte in seiner Rede: 

Armin Laschet, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen:
„Wir müssen wachsam bleiben, auch im Hinblick auf unsere Streitkultur. Wir müssen Symbole, die versuchen, Verbote von Symbolen zu umgehen – wie der Sturm mit einer Reichkriegsflagge auf die Treppen des Reichstags – wir müssen das schon im Ansatz unterbinden. Und gerade der Blick auf die Geschichte von „Stalag 326“ zeigt uns, welche furchtbaren Folgen es haben kann, wenn die falschen Werte gelten, wenn die Würde des Menschen, jedes Menschen, nicht mehr an erster Stelle steht. Und es hat einen langen auch politischen Streit um diese Gedenkstätte gegeben. Aber die Frage, wer mit verantwortlich war, was Stalin gemacht oder nicht gemacht hat, verblasst angesichts des Leidens der Menschen, die hier waren.“

Sprecher:
Marina Mehlis ist die Urenkelin eines Kriegsgefangenen aus Moskau, der im „Stalag 326“ starb. Am Nachmittag besuchte sie gemeinsam mit dem Landtagspräsidenten das Grab ihres Urgroßvaters. In ihrer Rede gedachte sie ihres Urgroßvaters Stepan Stepanovich Lazarew. Lange Zeit galt er als verschollen, bis die Familie vor ein paar Jahren Gewissheit über seinen Tod bekam. Mehlis sagte: 

Marina Mehlis:
„Ich bin sehr dankbar, dass nach mehr als 70 Jahren die Erinnerung am Leben erhalten wird. Meine Geschichte ist eine der vielen Millionen Familiengeschichten aus dem Krieg. Und als Russin bin ich dankbar, dass man in Deutschland dafür sorgt, dass die Spuren dieses Kriegs nicht verlorengehen. Ich repräsentiere die Generation der Urenkel, denen es auch sehr wichtig ist, an die Geschichte der eigenen Familie zu erinnern und auch unseren Kindern und Enkeln beizubringen. Man soll nie vergessen, damit es nie wieder passiert. Wir sind zuständig für den Friedenserhalt in der Welt, für den Frieden zwischen Ländern und Völkern. Wir schulden es unseren Verwandten, die in diesem Krieg ihre Leben und ihre Lieben verloren haben.“

Sprecher:
Auch Zeitzeugen kamen auf beeindruckende Weise bei der Gedenkveranstaltung zu Wort. Schülerinnen des Gymnasiums Schloß Holte-Stukenbrock lasen aus ihren Briefen vor. 
Schülerinnen:

Schülerinnen:
„Ich hatte mich entschlossen: Dann sterbe ich eben. Sterben ist doch auch gut. Keine Qualen. Aber danach ist es nicht mehr so schlimm. Es ist wie einschlafen. So wie die Fliege im Winter.“ 

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